Chronik der B! Ascania

Die Burschenschaft Ascania wurde, etwa ein Jahr nach der Eröffnung der Gewerbeakademie, am 15. November 1902 in Friedberg gegründet. Sie ist damit die älteste, am Hochschulort gegründete, noch aktive Korporation in Friedberg. Als Wappenspruch der damals pflichtschlagende Verbindung entschieden sich die Gründerväter für „Furchtlos und Treu“ und als Wahlspruch wählten sie den Leitspruch der Jenaer Urburschenschaft von 1815: "Ehre - Freiheit - Vaterland".

Der Name und das Wappen nehmen Bezug auf die aufgelöste "Technischen Verbindung Ascania" aus Hildburghausen und deren Farben: Grün-Weiss-Rot. Die Farben dieser ehemaligen Ascania und die Stadtfarben Friedbergs wurden vereint zu unseren Bundesfarben: „Schwarz, Weiß und Grün“. Diese Farben stehen stellvertretend für "Treue, Reinheit und Hoffnung".

Fast alle Studenten des frühen 20. Jahrhunderts organisierten sich an der Friedberger Gewerbeakademie in Verbindungen und Akademischen Vereinen mit unterschiedlichen gesellschaftlichen oder technischen Schwerpunkten. Schon früh schloss sich die Ascania mit den anderen schlagenden (fechtenden) Friedberger Korporationen im Friedberger Chargen Convent (FCC) zusammen, um als Gemeinschaft eine stärkere Bedeutung gegenüber der Direktion der Gewerbeakademie zu erlangen. Von einer Mitgliedschaft in den "akademischen" Dachorganisationen der Universitätsburschenschaften waren die Burschenschaften an technischen Hochschulen und Polytechniken wegen der "fehlenden" Vorbildungsvoraussetzung (Matura) generell ausgeschlossen.

Das studentische Leben der "Ascanen" in der Gründungszeit wurde in späteren Erzählungen als recht sorglos beschrieben. Man widmete sich gesellschaftlichen Dingen, ging zur Mensur, absolvierte sein Studium an der Gewerbeakademie und war zu jedem studentischen Ulk aufgelegt.

​Das beschauliche Studentenleben endete mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges. Nur 12 Jahre nach der Gründung wurde die Burschenschaft inaktiviert, da sich viele Studenten freiwillig zum Waffendienst meldeten und kein aktives Korporationsleben aufrecht erhalten werden konnte. Nach dem Ende des Krieges und der Wiedereröffnung der Gewerbeakademie Anfang 1919 wurde die Aktivitas der Ascania reaktiviert und das Korporationsleben im idyllischen Friedberg begann mit vielen verschiedenen aktiven Studentenverbindungen aufzublühen (siehe wikipedia.de).

Die schlagenden Friedberger Korporationen organisierten sich neu im Nauheimer Deputierten Convent (NDC) als Nachfolger des FCC. 1920 wurde der NDC in den Nauheimer Vertreter Convent (NVC) umbenannt und nahm einige neu gegründete Verbindung mit auf. Als Burschenschaft sah die Ascania jetzt im neuen NVC ihre burschenschaftlichen Interessen unterrepräsentiert und gründete daher 1921 zusammen mit den beiden weiteren Friedberger Burschenschaften Cheruscia und Alemannia den Friedberger Deputierten Convent (FDC) als rein burschenschaftlichen Zusammenschluss.

1922 wurde der "Altherrenverband" (Zusammenschluss der "Ehemaligen") formell gegründet.1923 wurde er als Verein in das Friedberger Vereinsregister eingetragen und damit ein organisatorisches Fundament für den Ausbau der Burschenschaft geschaffen.

"Ingenieur" war in dieser Zeit kein akademischer Grad, sondern eine Berufs- bzw. Standesbezeichnung für Fachleute auf dem Gebiet der Technik. Praktisch jeder konnte sich "Ingenieur" nennen, ohne nachweisen zu müssen, ob er auch den zur Berufsausübung erforderlichen Wissens- und Kenntnisstand hat. Daher war es in früheren Zeiten für die berufliche Zukunft wichtig, auf welchem Niveau - und damit: wo - die Ausbildung zum Ingenieur stattgefunden hatte. Seitens der Stadtverwaltung gab es Überlegungen, die Friedberger Akademie zu einer einfachen Gewerbeschule umzugestalten. Dies hätte eine deutlich "Abwertung" der Friedberger Abschlüsse bedeutet. Es ist in erster Linie den Protesten und Streiks der organisierten Studentenschaft zu verdanken, dass organisatorische Veränderungen durchgesetzt wurden und Friedberg eine akademisch geprägte Bildungsstätte blieb. Ab 1923 nannte sich die Friedberger Akademie offiziell "Polytechnikum" und manifestierte dadurch den Bildungsanspruch einer höheren technischen Lehranstalt. Die Ingenieurausbildung in Friedberg erfolgte somit weiterhin auf einem hohen Stand. Dies führte zu dem auch später noch gerne verwendeten Zitat: "Die Friedberger Ingenieure genießen deutschlandweit einen guten Ruf".

Kurze Zeit später steigerte sich die anhaltende Inflation in Deutschland zu einer Hyperinflation und sorgte für einen Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft und des Bankensystems. Nach Einführung der Rentenmark stabilisierte sich die Wirtschaft, doch bereits wenige Jahre danach folgte die Weltwirtschaftskrise und traf Deutschland hart. Die späten 1920er und frühen 1930er Jahre stellten den Altherrenverband der Burschenschaft Ascania vor eine existenzbedrohende Herausforderung. Hohe Arbeitslosigkeit führte zu einer Reduzierung und Stundung der Mitgliedsbeiträge. Für die Absolventen wurde es sehr schwer eine Anstellung zu finden, etwa jeder Zweite war nach dem Studium arbeitslos.

Die Aktiven der Ascania und der weiteren Friedberger Studentenverbindungen engagierten sich in der lokalen Studentenvertretung und stellten den AStA. Seit Mitte der 1920er Jahre versuchten die Nationalsozialisten Einfluss auf die Studentenschaft zu nehmen und ihre parteipolitische Studentenorganisation (NSDStB) "mit allen Mitteln" an den Hoch- und Ingenieurschulen zu etablieren. Durch gezielte Propagandamaßnahmen stieg der Einfluss des NSDStB auf die Studentenschaft immer mehr an. Nach der "Machtergreifung" erfolgte ab 1933 die "Umgestaltung" aller gesellschaftlichen Strukturen (Verwaltung, Militär, Vereine) und ab 1934  die verordnete "Gleichschaltung" aller Studentenorganisationen. Traditionelle Studentenverbindungen wurden von den Nationalsozialisten jetzt offen angefeindet und als "reaktionär", "spießig" und "ewiggestrig" diffamiert. Rudolf Heß verbot allen studierenden Parteiangehörigen die Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung und erklärte, wer es vorziehe, einer Korporation beizutreten, stemple sich zu „einem Deutschen niederen Ranges“. Unter dem steigenden politischen Druck blieben neue aktive Mitglieder aus und so musste sich die Burschenschaft Ascania 1936 suspendieren.

1938 wurden von den Machthabern die Altherrenverbände der Korporationen per Verbot aufgelöst und Reichsstudentenführer Scheel verkündete offiziell "das Ende" aller traditionellen Studentenverbindungen. Die Ascanen blieben als lose kameradschaftliche Vereinigung weiter bestehen und durch Stammtischtreffen in Essen, Frankfurt, Bamberg und Berlin wurden, auch in schweren Zeiten, die Traditionen der Burschenschaft Ascania weiter gepflegt und der Kontakt untereinander - so gut es ging - aufrecht erhalten.

Nach dem Ende des Krieges begannen vereinzelte Ascanen damit, den Verbleib der verstreuten Mitglieder zu recherchieren und Adressen ausfindig zu machen. 1949 konnten erste Schritte zur Reaktivierung der Burschenschaft eingeleitet werden und ab April 1950 gab es wieder studierende Mitglieder und damit eine "Aktivitas". Anlässlich des 50. Stiftungsfestes 1952 feierten viele Alte Herren erstmals nach dem Krieg ihr Wiedersehen. Im selben Jahr wurde die Demarkationslinie zur Bundesrepublik seitens der DDR verstärkt abgeriegelt, so dass es für viele in der Ostzone lebende Mitglieder, auch der letzte Besuch in Friedberg sein sollte.

 

Die Friedberger Studentenverbindungen engagierten sich nach der Wiedereröffnung des Polytechnikums abermals stark in der Studentenvertretung. Sie beteiligten sich 1951 an der Neugründung des AStA und kümmerten sich anfänglich primär um die handfesten Alltagsprobleme der Studenten in der Nachkriegszeit.

1956 mietete der Altherrenverband die unteren Räume der Alten Burgwache (Burg 2) für die aktive Burschenschaft an. In den Räumen konnte ein Kneipsaal, eine Bar sowie Wohnraum für mehrere aktive Studenten untergebracht werden. Um der steigenden Zahl der studierenden Mitglieder zusätzlichen Wohnraum anbieten zu können, wurde im Jahr 1971 der Gebäudeteil des Burgtors (Burg 1) angemietet. Im Jubiläumsjahr 1977 konnte das gesamte Gebäude der Alten Burgwache übernommen werden. Diese beiden Gebäude (Burg 1 und Burg 2) dienen heute noch als Korporationshaus und bilden den sozialen Mittelpunkt des Verbindungslebens.

Friedberger Burgtor mit Flagge der B! Ascania Friedberg

1964 gründete die Burschenschaft Ascania zusammen mit 4 weiteren Burschenschaften den burschenschaftlichen Dachverband "Deutsche Ingenieur-Burschenschaft" (DIB), welcher im Jahre 1988 in "Deutsche Hochschul-Burschenschaft" (DHB) umbenannt wurde (siehe wikipedia.de).

Das Engagement der Studentenverbindungen am Polytechnikum verschwand durch die Studentenbewegung Ende der 1960er Jahre. Gremien der studentischen Selbstverwaltung, wie Studentenausschuss und Studentenparlament wurden in Friedberg und verstärkt in Gießen durch linkspolitische Gruppierungen dominiert und vielfach für ihre politischen Zwecke missbraucht. Die Friedberger Korporierten zogen sich mehr und mehr in ihre "eigenen vier Wände" zurück und verloren ihre hochschulpolitische Präsenz an der Friedberger Ingenieurschule. Obwohl die politische Motivation der Studentenbewegung eine andere war, so waren ihre Parolen gegen die Studentenverbindungen mit denen der Nationalsozialisten vergleichbar: "reaktionär", "spießig" und "ewiggestrig". Eine Maxime, welche die "gauche de caviar" auch heute noch bereitwillig propagieren.

10. November 1989: Von der Nacht des 9. bis zum Morgen des 11. Novembers hielt eine feiernde Menschenmenge die Mauer am Brandenburger Tor besetzt.
(Unknown photographer, Reproduction by Lear 21; Wikipedia. CC BY-SA 3.0)

Ein bedeutende Forderung vieler Burschenschaften und burschenschaftlichen Verbände nach dem Zweiten Weltkrieg war die Einheit und Freiheit für das gesamte Deutschland und die Manifestation des entsprechenden Wiedervereinigungsgebots der Präambel des Grundgesetzes in der Gesellschaft. Die Burschenschaften hielten in den 1970er und 1980er Jahren unbeirrt an diesem Wiedervereinigungsgebot fest, auch gegen anderslautende Äußerungen aus der Politik und in den Medien. Durch die friedliche Revolution in der DDR 1989 und den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 wurde der vier Jahrzehnte währende Zustand der deutschen Staatenteilung beendet.

Ende der neunziger Jahre öffnete sich der Verband "Deutsche Burschenschaft" (DB) gegenüber Studenten an Fachhochschulen und ermöglichte damit den Mitgliedern der Deutschen Hochschul-Burschenschaft (DHB) die Aufnahme. Die Burschenschaft Ascania trat 1999 der Deutsche Burschenschaft bei. Die DHB wurde als Verband aufgelöst.

 

Im Oktober 2002 feierte die Burschenschaft Ascania ihr 100. Stiftungsfest in Friedberg und Bad Nauheim.

Spätestens ab 2011 änderte sich das innenpolitische "Klima" in der Deutschen Burschenschaft. Aggressiv-nationalistische Gruppierungen und Funktionäre dominieren mehr und mehr das Geschehen innerhalb des Verbandes und versuchten durch radikal-ideologische Anträge öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen. Um diesen Strömungen entgegenzuwirken, schloss sich die Burschenschaft Ascania 2013 der verbandsinternen Gegenbewegung "Initiative Burschenschaftliche Zukunft" (IBZ) an. Die innerverbandlichen Richtungsstreitigkeiten führten letztlich jedoch zum Austritt von über 40 Burschenschaften. Die Burschenschaft Ascania verließ den Verband 2014.

2016 gründeten 27 Burschenschaften in Jena einen neuen burschenschaftlichen Dachverband, die "Allgemeine Deutsche Burschenschaft" (ADB), dem die Burschenschaft Ascania seitdem als Gründungsmitglied angehört.

Banner der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft